Archiv der Kategorie: Digitale Vererbung

SecureSafe – Virtueller Safe mit eingebauter Vererbung

SecureSafe ist ein Dienst der DSwiss AG, der sicheren Speicherplatz in der Schweiz anbietet und legt Wert auf Einhaltung höchster Sicherheitsstandards. Die Standards erfüllen nach Angaben von DSwiss die Vorgaben der Eidgenössischen Bankenkommission.

SecureSafe ist ein Anbieter von Zero Knowledge Privacy. Zero Knowledge bedeutet, dass der Anbieter zu keinem Zeitpunkt Einblick in die ihm anvertrauten Daten nehmen kann. Alle Informationen werden verschlüsselt übermittelt und auch verschlüsselt abgelegt. Dem Anbieter sind die Verschlüsselungspassworte nicht bekannt. Somit ist es auch nicht möglich, ihn zur Herausgabe der Passwörter zu bewegen oder die Herausgabe unverschlüsselter Daten zu erwirken.

Anmeldung und Login

Der Zugang zu SecureSafe erfolgt über ein Web-Interface bzw. über eine App für IOS bzw. Android. In den kostenpflichtigen Versionen lässt sich der Zugang über eine 2-Faktor-Authentifizierung absichern, in der kostenlosen „SecureSafe Free„-Version ist nur ein Passwort zum Schutz des Accounts vorgesehen. Für den skizzierten Einsatzzweck des Ablegens hochsensitiver Daten kann man nur dringend dazu raten, eine Accountvariante zu wählen, die eine 2-Faktor-Authentifizierung unterstützt.

Der Registrierungsvorgang ist einfach gehalten. Nach der Eingabe von Name, Vorname, Passwort und E-Mail-Adresse erhält man zunächst einen Wiederherstellungscode, den man sich ausdrucken sollte. Sollten aus unterschiedlichsten Gründen die Originalzugangsdaten abhanden kommen, lässt sich mit Hilfe des Wiederherstellungscodes der Zugang zu den Daten wiederherstellen. Eine andere Möglichkeit besteht nicht, insbesondere kann der Anbieter ohne den Wiederherstellungscode keinerlei Hilfestellung leisten.

Nach dem Login gelangt man auf eine Übersichtsseite, die den Zugriff zu den Bereichen Daten-Safe, Passwort-Safe, Mail-In und Datenvererbung eröffnet.

Daten-Safe

Der Daten-Safe ist das Herz des Dienstes. Hier können Sie Ihre Dokumente ablegen und bei Bedarf wieder abrufen. Damit der Überblick nicht verlorengeht, kann man die Daten in einer Ordnerstruktur ablegen, die sich frei definieren lässt. Mit der Suchfunktion lassen sich ordnerübergreifend Dateien schnell auffinden. Die Suchfunktion führt allerdings lediglich eine Suche auf Basis der Datei- und Ordnernamen durch, so dass man hier auf eine vernünftige Benennung achten sollte.

SecureSafe: Daten-Safe-Ansicht
SecureSafe: Daten-Safe-Ansicht

Passwort-Safe

Neben der Ablage von Dateien unterstüzt SecureSafe auch die Ablage von Zugangspasswörtern. Diese Funktion ist besonders praktisch in Verbindung mit einem Smartphone, da man so überall Zugriff auf diese Daten hat. In der „SecureSafe Free„-Version lassen sich bis zu 50 Passworte verwalten.

Secure-Safe: Passwortverwaltung
Secure-Safe: Passwortverwaltung

Mail-In

Über eine persönliche E-Mail-Adresse bei SecureSafe, die jedem Kunden zur Verfügung gestellt wird, ist die Einlieferung von Mails und Dokumenten per E-Mail möglich. Der Text der E-Mail wird dabei automatisch in ein PDF verwandelt und abgelegt, die Dateianhänge werden gelöst und ebenfalls im Daten-Safe gespeichert. Auf Wunsch kann diese Funktion deaktiviert werden, so dass kein Zugriff von außen erfolgen kann.

Datenvererbung

Die wohl interessanteste Erweiterung gegenüber den herkömmlichen Clouddiensten ist die Möglichkeit der digitalen Vererbung. Für den Fall des Todes des Kontoinhabers oder anderer klar definierter Umstände können Begünstigte benannt werden, denen dann ein Zugang zu den Daten eingerichtet wird. Es ist aber keineswegs so, dass Begünstigte einen Vollzugriff erhalten. Vielmehr können (und müssen) Sie für jede Datei einzeln festlegen, welcher Begünstigte zugreifen darf und ob überhaupt ein Begünstigter zugreifen darf.

Das gilt analog auch für die in der Passwortdatenbank gespeicherten Daten. So können Sie Ihrer Familie die Passworte für Accounts im privaten Bereich zukommen lassen und andere Passworte z.B. an bestimmte Personen in ihrem Unternehmen weitergeben. Manche Passworte können auf ewig geheim bleiben.

Abhängig vom Accounttyp kann eine unterschiedliche Anzahl begünstigter Personen benannt werden. In der kostenlosen Version kann man eine Person definieren, die per E-Mail benachrichtigt wird, in den bezahlten Versionen lassen sich mehrere Personen bestimmen und auch Empfänger, die per Post-Einschreiben benachrichtigt werden.

Hinterlegen kann man die Kontaktdaten der Begünstigten und eine persönliche Nachricht, die übermittelt wird. Gleichzeitig wird ein Aktivierungscode berechnet, der ggf. im Benachrichtigungsfall an den Begünstigten übermittelt wird.

Für die Datenvererbung kann man eine Karenzzeit festlegen. Während der festgelegten Zeitspanne (z.B. 2 Wochen) versucht, SecureSafe den Kontoinhaber zu erreichen. Meldet sich der Kontoinhaber in dieser Zeit im System an, findet keine Datenvererbung statt. Der Prozess wird damit unterbrochen und bereits übersandte Aktivierungscodes werden ungültig.

Unterstützte Clients

Eigene Client-Software bietet SecureSafe für iOS und Android an. Darüber hinaus wird ein Zugang über den Webbrowser angeboten.

Kosten

Die Kosten für einen Individualaccount bewegen sich von 0 Euro für
bis zu 10 MB Speichervolumen und 50 Passworte bis hin zu 9,90 Euro pro Monat für das Gold-Paket mit 100 GB Datenspeicher. Damit liegt SecureSafe preislich in einem ähnlichen Bereich wie andere in Europa angesiedelte Zero Knowledge Privacy-Anbieter.

Digitales Erbe in der realen Welt

Es ist manchmal gar nicht so einfach im Leben. Wer hätte das gedacht. Aber so richtig kompliziert kann es nach dem Tod werden. Neben der Trauer um einen – hoffentlich lieben – Menschen sind ganz profane Dinge zu regeln, wie Abmeldungen aus Vereinen, Kündigung von Versicherungen, Kontaktaufnahme mit Banken und vieles mehr.

Bisher war die Abwicklung solcher Formalitäten in einem einigermaßen geordneten Haushalt zwar eine Arbeit, die einen tagelang in einen Sherlock-Holmes-Zustand versetzen konnte, aber wenn die Aktenordner gesichtet waren, konnte man sich ein gutes Bild machen, welche Schritte notwendig werden.

Die beste Strategie an solche Daten zu kommen, ist das Verfolgen der Zahlungsströme.

Was nun, wenn der Nachlass nicht nur aus Old-School-Aktenbergen besteht, weil der liebe Mensch der beste Kunde von Billigversicherung24.com, Internetprovidern, Facebook, Onlinebank4711, Google und Microsoft oder Apple war. Als Anhänger einer einfachen Lebensweise hat er die meisten Dinge Online abgewickelt.

Nun wird der klassische Onlinekunde zwar nicht den allermeisten Papierkram zu Hause haben, aber eine EC-Karte oder eine Kreditkarte werden vermutlich vorhanden sein, so dass man zumindest die Hausbank recht schnell herausbekommen wird. Weitere Bankverbindungen sind meistens weit weniger offensichtlich. Tagesgeldzinsjäger wechseln die Banken manchmal häufiger als mancher Zeitgenosse seine Fenster putzt.

Es kann bereits schwierig sein, herauszufinden, dass er überhaupt Kunde bei Onlinebank4711 war, weil viele Onlinebanken mit sogenannten Postboxen arbeiten und Briefe, Korrespondenz und Abrechnungen auf diesem Wege zur Verfügung stellen. Das ist für den digitalaffinen Kunden und die Bank gleichermaßen praktisch. Die Verarbeitung und Ablage der Bankpost kann nämlich richtig in Arbeit ausarten. Schön, wenn die Dokumente in der Postbox zur Verfügung gestellt werden. Aber wehe, man trifft auf eine Postbox, wenn man den Nachlass ordnet. Die Onlinebank4711 wird nämlich an dem Tag, an dem sie vom Tod des Kontoinhabers erfährt, nicht nur das Konto sperren und das Finanzamt benachrichtigen, nein, auch die Postbox wird gesperrt.

Wenn Sie glauben, dass Sie jemals einen Blick in die Postbox werfen können, vergessen Sie das, wenn sie nicht Anwalt sind. Die Systeme gehören der Bank. Sie können allenfalls Kopien der Dokumente bekommen, die Sie einzeln benennen müssen. Das ist nicht so leicht, weil ja unser lieber Verblichener seine Ablage optimiert hat und die meisten Dokumente zwar zur Kenntnis genommen hat, aber gar nicht erst auf den eigenen PC heruntergeladen, geschweige denn ausgedruckt hat.

Ähnlich kann es mit Billigversicherung24 sein. Allerdings sind Versicherer meistens um mindestens eine Stufe kooperativer als Banken, denen das Bankgeheimnis immer dann ganz besonders wichtig ist, wenn es einem Anfrager gerade so gar nicht in den Kram passt. Das größte Problem wird vermutlich sein, herauszufinden bei welchen Versicherungen überhaupt Verträge existieren.

Sie bekommen vielleicht langsam eine Idee, dass die einfache Onlinewelt sich dann in ein überaus unpraktisches Ungetüm verwandelt, wenn der begeisterte Benutzer das zeitliche gesegnet hat und auch keine weiteren Tipps mehr geben kann.

Aus meiner Sicht recht einfach stellt sich die Angelegenheit mit sozialen Netzwerken dar, hier ist im Grunde keine Aktion notwendig. Facebook wird in 50 bis 80 Jahren je nach demografischer Entwicklung im Herkunftsland des Profils vermutlich von allein auf die Idee kommen, dass man das Profil wohl mal irgendwann löschen könnte.

Google ist da einen Schritt weiter, hier kann man eine automatische Löschung aller Daten einstellen, falls man nicht in einer bestimmten Zeit (z.B. 90 Tage) irgendeinen der Google-Dienste mit klarer Identifizierung nutzt. Selbst, wenn jemand das hypermoderne Smartphone des Verblichenen noch für eine Weile benutzt und der Google-Mail-Account somit noch für ein paar Monate abgefragt werden könnte, wird irgendwann der Tag kommen, an dem Schluss ist mit dem Online-Leben. Möglicherweise verlängert sich die Zeitspanne noch etwas weiter, wenn Geräte wie Google-TV im Spiele sind. Aber grundsätzlich halte ich den Google-Ansatz für vernünftig. Das erinnert ein wenig an den Ansatz der Deutschen Rentenversicherung abgeschaut, die von im Ausland lebenden Rentnern – aus gutem Grunde – jedes Jahr eine Lebensbescheinigung sehen möchte.

Es ist erst ein paar Tage her, dass der Europäische Gerichtshof sein Urteil zum „Recht auf digitales Vergessen“ gefällt hat, die Frage sollte allerdings erlaubt sein, ob man nicht irgendwann auch zu einem „Recht auf digitale Erinnerung“ kommen müsste und wie so etwas aussehen könnte.