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ProtonMail revisited

Vor einigen Monaten hatte ich über ProtonMail berichtet. Seinerzeit hatte man über eine CrowdFunding-Kampagne Geld eingesammelt, insgesamt war aber noch nicht viel zu sehen.

Inzwischen kann man ProtonMail nutzen. Kostenlos. Theoretisch. Praktisch erhielt ich gerade auf der ProtonMail-Website die Meldung, ich könne mich für einen Account bewerben. Man würde mich dann kontaktieren, wenn alles vorbereitet wäre.

Der Source-Code von ProtonMail 2.0 wurde offengelegt und steht als Open Source zur Verfügung. Man bemüht sich seitens ProtonMail um Transparenz.

Der Sitz der eigentlichen Gesellschaft ist in der Schweiz, das Datacenter, das die Anwendung hostet, ist ebenfalls in der Schweiz angesiedelt. Damit unterliegt die gesamte Verarbeitung ausschliesslich Schweizer Gesetzgebung und man kann nach heutigem Stand der Dinge davon ausgehen, dass die Schweiz die Vertraulichkeit der Daten nicht angreift, sondern schützt. Man hat in den letzten 10 Jahren unter großem Druck das Bankgeheimnis , das den Ruf der Schweiz als Hort der Vertraulichkeit mit begründet hat, sehr aufweichen müssen. Es ist zwar nicht auszuschliessen, das dies eines Tages auch in Bezug auf Datensicherheit und Datenschutz versucht wird, aber man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass das nur mit großem Kampf möglich wäre.

ProtonMail speichert Mails auf dem Server grundsätzlich mit starker Verschlüsselung. Der Zugang zum Mail-Account ist doppelt gesichert. Das erste Passwort bringt einen auf den Server und ermöglicht den Abruf der verschlüsselten Mail. Entschlüsseln kann man nur mit dem 2. Passwort, das ProtonMail zu keiner Zeit mitgeteilt wird. ProtonMail selbst kann die E-Mails nicht entschlüsseln, d.h. es kann auch kein Administrator die Mails lesen. Zero-Knowledge-Privacy ist der Begriff für solchermaßen gestaltete Systeme.

ProtonMail - Posteingang (Web)
ProtonMail – Posteingang (Web)

Für den Zugriff auf ProtonMail stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Ein Web-Interface, eine iOS-App für iPhone und iPad, und eine Android-App für die Google-Betriebssystemwelt. Alle Varianten befinden sich noch im Beta-Stadium.

ProtonMail Maileditor (Web)
ProtonMail Maileditor (Web)

ProtonMail ist kein geschlossenes E-Mail-System, sondern kann grundsätzlich mit allen anderen Diensten auch E-Mails austauschen. Das macht den Umgang mit dem Account zu einer bequemen Angelegenheit.

Der Absender einer Mail hat die Möglichkeit, die Gültigkeitsdauer der Mail einzuschränken. Wenn die Mail an einen anderen ProtonMail-Empfänger geht, gibt es sogar eine „Selbstzerstörungsoption“. Das wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie James Bond oder Mission Impossible, ist aber eine Funktionalität die es selbst bei ganz einfachen SMS gibt. Auch dort läßt sich – wenn es das Telefon und der Provider unterstützen – eine maximale Gültigkeitsdauer angeben.

Modulares Smartphone LG G5 in Barcelona vorgestellt

Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona wurde heute das Smartphone LG G5 vorgestellt. Mit den Jahren entstand ein fester Kalender, nach dem die Hersteller Ihre neuen Smartphone-Modelle vorstellen. Eigentlich kann man das schon fast in Formeln fassen. Bei Samsung wäre es dann das S -(Jahreszahl – 2009), bei Apple ist die Formel ähnlich und im Grunde kann man die Modellpolitik der meisten Hersteller in diese Kategorie einordnen. Seit dem das IPhone im Jahr 2007 erstmals vorgestellt wurde, haben viele große Hersteller sich stets daran orientiert und das IPhone als Benchmark gesehen. Das gipfelte dann darin, dass plötzlich Hersteller Akkus fest verbauten und SD-Karten-Slots einsparten, von denen man das nicht erwartet hatte. Alles getreu dem Motto „Wenn DIE das können, dann kann es nicht falsch sein“.

Es war überaus erfrischend heute eine Smarphone-Vorstellung zu sehen, die eine eigene Vision und Richtung aufzeigte und die tatsächlich ein paar wirklich „revolutionäre“ Neuerungen brachte, zumindest bezogen auf Smartphones. Ich glaube, LG ist auf einem guten Wege das Smartphone-Erlebnis zu erweitern.

Das LG G5 bringt ein neues Konzept mit, das in verschiedener Hinsicht überaus intelligent ist: Das modulare Smartphone. LG nennt das die „LG Friends“, also die „Freunde des Smartphones“. „LG Friends“ ermöglichen den Preis des Basispaketes in einem vernünftigen Rahmen zu halten, schaffen aber gleichzeitig eine Basis, auch allerhöchste Ansprüche zu bedienen.

Das LG G5

Das G5 kommt – wie bereits erwartet – im Unibody-Metallgehäuse. Hier gibt es ein echtes Novum. Mussten wir uns bisher immer anhören, dass ein Wechselakku in einem Unibody nur möglich sei, wenn man „Telefonzellen“-formate hinnähme, so beweist LG, dass es geht. Man muss nur wollen und Ideen haben. Der Akku steckt in einer Art Schublade, die nach unten herausgezogen werden kann. Es ist nicht nur möglich, den Akku zu wechseln, sondern es gibt auch andere Einsteckmodule, die dem Telefon zusätzliche Fähigkeiten verleihen. Mehr dazu unter „LG-Friends“.

Das Telefon verfügt über zwei Displays, die mit getrennter Elektronik arbeiten, aber im selben Panel dargestellt werden. Praktisch wirkt das wie ein spezieller Bereich im Bildschirm, der ständig zur Verfügung steht, selbst, wenn der Hauptbildschirm abgeschaltet wird. Der Platz reicht, um kurze Statusmeldungen, die Uhrzeit und häufig benutzte Steuerelemente unterzubringen. Vorteil dieses 2. Bildschirms ist natürlich die ständige Ablesbarkeit und vor allem auch der niedrige Akkuverbrauch von nur 0,8% der Akkuladung je Stunde.

LG G5 - Foto: LG
LG G5 – Foto: LG

Das LG G5 verfügt über einen Qualcomm Snapdragon 820-Prozessor, ein 5,3 Zoll (ca. 13,5 cm) Quad HD IPS Display mit 2560×1440 Pixel und 554 ppi, 4 GB DDR4-RAM, 32 GB UFS ROM. Das Betriebssystem ist Android „Marshmallow“ 6.0.

Der Speicher ist über eine Micro-SD-Karte bis auf 2 TB erweiterbar.

Es sind 3 Kameras verbaut, eine Frontkamera mit 8 Megapixel und zwei Rückseitenkameras. Eine 135°-Weitwinkelkamera mit ebenfalls 8 Megapixel, sowie eine 16 Megapixel-Kamera. Die Weitwinkelkamera ermöglicht besonders „breite“ Aufnahmen.

Bei 159 Gramm Gewicht und Maßen von 149,4×73,9×7,7-8,6 mm kann man von einem handlichen Gerät sprechen.

Das Gerät unterstützt LTE, 3G und 2G, sowie WiFi 802.11 a,b,g,n,ac sowie über eine USB Type-C-Schnittstelle USB 2.0 und USB 3.0. NFC und Bluetooth 4.2 sind ebenfalls an Bord.

Ein Fingerabdrucksensor ist auf der Gehäuserückseite verbaut.

Ein ein kabelloses Aufladen des Gerätes wird nicht uterstützt.

Erhältlich ist das Telefon in den Farben Silber, Titan, Gold und Pink.

Die „LG-Friends“

Die LG-Friends sind die eigentliche Idee hinter dem Telefon. Ein Konzept, dass das Smartphone zur Freizeitzentrale aufwertet. Zunächst ist der Freundeskreis noch überschaubar.

  1. Den austauschbaren Akku. Wie? Modul? Ja, im Grunde ist das Basismodul. das LG in sein G5 einbaut, das Modul, das den 2800 mAh-Akku aufnimmt. Das Modul ist austauschbar, ebenso der Akku. Das Kamera-Modul oder das Hifi-Modul ersetzen das Basismodul. (Dieses von mir als Modul bezeichnete Bauteil ist natürlich Serienbestandteil eines jeden LG G5 und kein Sonderzubehör)
  2. Das Kamera-Modul „CAM Plus“,das eine Akku-Erweiterung um 1000 mAh und eine erweiterte Kamera-Steuerung mitbringt.
     LG CAM Plus Modul - Foto: LG
    LG CAM Plus Modul – Foto: LG

    Damit das Modul montiert werden kann, muss zunächst das „Akku-Modul“ entnommen werden. Der Akku findet seinen Platz dann im Kamera-Modul. Das Modul wird einfach ins LG G5 eingesteckt und ist dann fest mit dem Smartphone verbunden, ohne die Dimensionen (abgesehen von der Tiefe) zum Nachteil zu beeinflussen. Es wirkte (ich hatte das Gerät nicht der in der Hand) auf mich sogar eher so, als könnte man das Smartphone wirklich wie eine Kamera halten und als würde das Modul eine deutliche Verbesserung der Handlichkeit beim Fotografieren und Videografieren darstellen.

  3.  Das von Bang & Olufsen und LG gemeinsam entwickelte Hifi-Modul „HiFi Plus mit B&O Play“ für hochklassige Musikwiedergabe.
    LG B&O HiFi-Plus Modul - Foto: LG
    LG B&O HiFi-Plus Modul – Foto: LG

    Das Modul kann auch in Verbindung mit anderen Smartphones oder PCs verwendet werden und bietet die wiedergabe von nativem 32-Bit 384 kHz High Definition Audio.

  4. Die „360 CAM“ ist kein Modul, sondern ein echter „Freund“, den man leicht mit dem G5 verbinden kann. Die 360°-CAM verfügt über zwei 13-Megapixel-Weitwinkelkameras, 5.1 Surround-Sound-Mikrofone, 2K-Video und 4 GB RAM.
    LG 360 CAM - Foto: LG
    LG 360 CAM – Foto: LG

    Der Akku hat eine Kapazität von 1200 mAh. Aufnamen der „360-CAM“ lassen sich direkt in Google-Streetview hochladen oder im G5 oder mit einem anderen geeigneten Viewer betrachten.

  5. „360 VR“ ist ein weiterer „Freund“ – eine portable, zusammenklappbare Virtual-Reality-Einheit. Die Einheit funktioniert ausschliesslich mit dem LG G5 und ist mit allen Inhalten, die mit dem G5 aufgenommen werden, sowie mit Google-Cardboard-Inhalten kompatibel.

Es gibt noch eine Robotereinheit, die als eine Art Kugel über den Boden fährt und mit Kamera und Lautsprecher ausgestattet ist. Im Gegensatz zu den vorgenannten „Freunden“ ist das eine Erweiterung, die vermutlich den europäischen Geschmack nicht treffen wird. Ganz anders bei der in Zusammenarbeit mit Parrot entwickelten Drohnensteuerung. Diese Zusatzeinheit soll das Fliegen einer Drohne zum Kinderspiel machen, ist allerdings noch im Vorserienstadium, so dass man nicht allzuviel dazu sagen kann.

Die "LG Friends" - Foto: LG
Die „LG Friends“ – Foto: LG

Fazit:

Insgesamt eine sehr runde Vorstellung eines Gerätes, in dem viele Dinge plötzlich möglich wurden, die angeblich unmöglich gewesen seien, wenn man anderen Herstellern Glauben schenkte.

Interneteinstellungen für thailändische SIM-Karte von dtac am Beispiel eines Samsung S6 edge

Normalerweise ist der Vorgang denkbar einfach:

  1. SIM-Karte kaufen
  2. Beim Kauf der SIM-Karte achten Sie bitte unbedingt auf das Format. Meine „Tourist SIM“ war als 2-fach-Karte ausgelegt, Micro und Nano in einem, man konnte die Nano-Karte herausbrechen. Es sind aber gerade in kleineren Geschäften oftmals nur Mini/Micro-SIM-Karten erhältlich. Man wird dann gern an das nächste Servicecenter verwiesen. Dort kann man die Karte dann gegen eine geringe Gebühr ins richtige Format tauschen. In Bangkok ist es empfehlenswert die Karte direkt am Flughafen Suvharnabhumi zu kaufen. Dort sind zwischen den Ausgängen Gate 7 und Gate 6 Servicecenter der großen Telefonabieter, die auf Touristen gut eingestellt sind. Die Sprachhürde ist dort recht niedrig. Sie müssen verpflichtend die Karte registrieren lassen. Hierzu muss der Reisepass vorgelegt werden. Für den weniger wahrscheinlichen Fall, dass Sie thailändischer Staatsbürger oder thailändische Staatsbürgerin sind, tut es auch die ID-Karte. Planen Sie etwas Zeit ein, es kann manchmal eine Warteschlange entstehen. Alternativ findet man in Bangkok Servicecentren der Provider z.B. in Central World oder im MBK, sowie in zahlreichen anderen Einkaufszentren. SIM-Karten sind auch im 7-Eleven oder Family Mart erhältlich, allerdings ist hier die Zielgruppe die thailändische Bevölkerung, man ist auf sich gestellt. Auch hier muss der Reisepass vorgelegt werden.
  3. Telefon ausschalten
  4. SIM-Karte des Heimatproviders herausnehmen
  5. Heimatkarte gut weglegen, am Besten in einen mitgebrachten Briefumschlag
  6. Briefumschlag beschriften
  7. Thailändische SIM-Karte ins Telefon einlegen
  8. Telefon einschalten
  9. Nach kurzer Zeit kommen normalerweise automatisch Konfigurations-SMS vom thailändischen Provider, die das Telefon richtig einrichten.
  10. Wenn das klappt, dann kann man ab jetzt Urlaub machen.

Beim Samsung S6 edge hat das leider nicht so geklappt. Beim.Sony Z3 lief es problemlos.

Aufgrund der manchmal nur knappen Sachkenntnisse der Mitarbeiter (das gilt beileibe nicht für alle, manche sind wirklich topfit) in den Servicecentern der Provider (z.B. AIS, dtac, truemove) in Verbindung mit meist schwach ausgeprägten Kenntnissen der thailändischen Sprache beim Touristen und den oftmals nicht vorhandenen Deutschkenntnissen der Servicemitarbeiter kommt die Kommunikation manchmal in eine Sackgasse, die man am besten mit einer freundlichen Verabschiedung verlässt.

Nun hat man also das Servicecenter verlassen und steht da mit einem Telefon, das wunderbar telefoniert, aber jeglichen Datenverkehr verweigert.

Nach einigen zeitraubenden Umwegen ergab sich dann am Ende eine einfache Lösung. Die Internetzugangsdaten im Samsung waren nicht eingetragen. Das hatte ich zwar vermutet und auch die Daten eingetragen, aber leider bin ich einer Webseite zum Opfer gefallen, die fehlerhafte Angaben veröffentlicht hatte, so dass ich schon anfing an einen Hardwarefehler zu denken.

Internetzugang für den Provider dtac in Thailand einrichten auf dem Samsung S6 edge (Android Version 5.1 „Lollipop“)

  1. Die App Einstellungen („Zahnrad“) starten
  2. „Mobile Netzwerke“ wählen
  3. „Zugangspunkte“ wählen
  4. „Hinzufügen“ wählen
  5. Im Feld „Name“ den Wert „dtac Internet“ eintragen
  6. Im Feld APN den Wert „www.dtac.co.th“ eintragen
  7. Im Feld Authentifizierungstyp (nach unten scrollen) den Wert „PAP“ auswählen
  8. Im Feld APN-Typ den Wert „default“ eintragen
  9. Eingaben speichern
  10. Jetzt sollte der neu eingerichtete Zugangspunkt unter Zugangspunkte auftauchen. Den Menüeintrag „dtac Internet“ auswählen.
  11. Im Menü „Einstellungen“ unter „Datennutzung“ den Schalter „Mobile Datenverbindung“ einschalten. Er wird dann grün hinterlegt.
  12. Fertig

Bye bye Wuala, Wuala goodbye

Jetzt ist es also soweit, Wuala wird zum 30.9.2015 read-only und zum 15.11.2015 alle dort gespeicherten Daten löschen. Ich habe diesen Dienst sehr geschätzt:

  • ein starker Client für die Synchronisierung von Daten mit meinem PC und meinem Telefon
  • zuverlässige Verschlüsselung der Daten bereits auf auf dem Client
  • bezahlbarer Speicherplatz

Wuala hat über mehrere Jahre bei mir im Hintergrund ganz hervorragende Dienste geleistet, und Daten quasi in Echtzeit in die Cloud gesichert. Die meisten Cloud-Dienste erwarten einen Daten-Striptease von ihren Kunden. Die eigene Festplatte gehört heutzutage ja schon fast zur Intimsphäre.

Wuala als Zero-Knowledge-Privacy-Anbieter war da anders. Es werden dort sozusagen nur gut verpackte, blickdichte  Datenpakete abgelegt. Zwar mit einem Label dran und mit Sichtfenstern für explizit autorisierte Voyeure, aber privat bleibt dort eben privat.

Ursprünglich wurde Wuala vom französischen Festplattenanbieter LaCie ins Leben gerufen. Verteilte Datenspeicherung in Rechenzentren in Deutschland, Frankreich und der Schweiz waren ein herausragendes Merkmal, um sehr weitgehend sicherzustellen, dass die Daten sicher vor dem Zugriff von Hackern und auch des eigenen Personals abgelegt wurden. Das Unternehmen fusionierte im Jahr 2014 mit dem amerikanischen Unternehmen Seagate – richtiger ist wohl: Seagate hat LaCie „geschluckt“.

Wuala stellt den Dienst zum 15. November 2015 komplett und endgültig ein, die Daten werden dann gelöscht. Mit dem Zero-Knowledge-Anbieter Tresorit hat man einen Partner gefunden, der bestehenden Wuala-Kunden eine neue Heimat bieten will. Die Preise für Privatnutzer sind für das 1. Jahr durchaus attraktiv. Zwar kostet das Jahresabo bei Tresorit 90 Euro, allerdings bekommt man dafür auch 100 GB privaten Speicherplatz.

Übrigens bietet auch SecureSafe für Wuala-Kunden einen attraktiven Tarif für den Umstieg an.

EPost – einfach nur ein E-Mail-Dienst?

Sie kennen vielleicht den Dienst E-Post der Deutschen Post .

Die erste Assoziation, die ich hatte, war „E-Mail“. Ok, ganz nett, eine E-Mail-Adresse zu haben, die einfach „Hans.Mustermann@e-post.de“ lautet.

Der erste Haken

Diese Adresse kann überhaupt keine E-Mails empfangen.
Und sie kann keine E-Mails versenden.

Wer es nicht glaubt, kann sich hier selbst davon überzeugen.

Der zweite Haken

E-Post-Adressen übernehmen also nur das Aussehen von E-Mail-Adressen. Wehe dem, der die Adresse auf seiner Visitenkarte als einzige Adresse angibt. Die Testnachrichten, die ich gesendet habe, sind allesamt im Nirwana verschwunden. Es macht vermutlich zuviel Aufwand, die Nachrichten an den Absender zurückzusenden mit einem Hinweis, dass E-Post-Adressen nur innerhalb von E-Post erreichbar sind.

Der dritte Haken

E-Post ist ein geschlossenes System, d.h. ich muss zunächst einmal positiv wissen, dass mein Empfänger überhaupt eine Adresse hat. Andernfalls bin ich möglicherweise gezwungen auf die Old-Fashioned E-Mail zurückzukommen, die auf allen Geräten einfach nur funktioniert. E-Post funktioniert auch. Keine Frage.

Der vierte Haken

E-Post wird beworben als ein Dienst, der einen Postbrief ersetzen kann. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht.

Meine Wahl fiel auf die Postbank als Empfänger und mein Anliegen war in der Tat heikel, ich wollte mein Konto auflösen. Ich gebe zu, dass ist etwas, von dem ich weiß, dass es mit normaler E-Mail nicht lösbar ist, aber ein E-Postbrief müsste das ja schaffen.

Bevor ich mich dazu entschlossen habe, habe ich eine Pressemitteilung dazu gelesen.

Der erste Satz klang verheißungsvoll:

„Bonn, 16.09.2013, 11:00 MESZ

Ab sofort bietet die Postbank ihren rund 14 Millionen Kunden die Möglichkeit, den E-Postbrief als sicheren, elektronischen Kommunikationskanal zu ihrer Bank zu nutzen.“

Na also, da steht es doch. Also habe ich per E-Post ein Kündigungsschreiben verfasst und am 20.1.2014 an die Postbank geschickt. Oder sagen wir besser, ich wollte schicken.

Ein Versand war mangels Guthaben nicht möglich. Guthaben? Ja, Guthaben. So langsam dämmerte mir, dass da wohl noch ein Haken war. Die E-Post-Nachricht kostet 60 Cent. Im ersten Moment bekam ich fast schon Schnappatmung. Für denselben Preis hätte ich auch einen reitenden Boten der Post losschicken können. Also habe ich das Konto mit Guthaben befüllt und dann die E-Post für nur 60 Cent an die Postbank losgeschickt.

Der fünfte Haken

Die Postbank hat auch wirklich schnell reagiert und mir am nächsten Morgen dann die folgende E-Post-Antwort geschickt:

AW: Kündigung Girokonto ID[|#08154711|]

21.01.2014

Sehr geehrter Herr „Mustermann“,

vielen Dank für Ihren E-Postbrief. Sie möchten Aufträge per E-Postbrief an die Postbank senden. Eine Erteilung Ihrer Aufträge ist über E-Postbrief leider nicht möglich. Aktuell kann die Postbank über diesen Weg nur allgemeine Fragen entgegennehmen und beantworten. Eine erweiterte Kommunikation per E-Postbrief können wir Ihnen zur Zeit noch nicht anbieten. Jedoch werden wir diese Möglichkeiten nach und nach ausbauen.

Sie möchten Ihr Postbank Girokonto auflösen. Bitte senden Sie das beigefügte Formular mit Unterschrift per Brief an: Postbank Hamburg – 22283 Hamburg

Für eine Vertragsauflösung benötigen wir grundsätzlich einen unterschriebenen Originalauftrag, pdf-Anhänge oder andere Dateiformate werden nicht akzeptiert.

[….]

Mit freundlichen Grüßen

Frau Mustermann
Postbank E-Mail-Service

Keine Frage, das war jetzt nicht wirklich überraschend, aber diese Antwort hätte ich auch billiger haben können, wenn ich einfach nur eine klassische E-Mail anstatt einer E-Post gesendet hätte.

Nur, um das noch einmal festzustellen: Ich kreide der Postbank bestimmt nicht negativ an, dass sie für eine Kontoauflösung echtes Papier mit einer Originalunterschrift sehen möchte. Das ist ok.

Aber über E-Post nur Werbeprospekte und Formularanfragen abzuarbeiten ist natürlich auch nicht zufriedenstellend aus der Perspektive des „teuer bezahlenden“ Privatkunden. Hier wäre es wohl ehrlicher, E-Post nicht anzubieten oder klarer zu kommunizieren, dass die Adresse nur für allgemeine Anfragen geeignet ist.

Mein ganz persönliches Fazit

Als E-Mail-Dienst kann man den E-Post-Dienst getrost ignorieren. E-Mails kann man damit schließlich weder senden noch empfangen. Nur E-Post. Und da muss man

1. die möglichen Empfänger mit der Lupe suchen
2. davon ausgehen, dass der Empfänger E-Post nicht gleichrangig zur Schriftform behandelt
3. teuer bezahlen

Ein Telefax wird in den meisten Fällen problemlos für schriftformgebundene Willenserklärungen akzeptiert. Das ist mit Scanner / Router / Software fast immer deutlich billiger als Briefporto oder E-Post-Porto, mit einer Telefonflat sogar ohne Zusatzkosten.

Schlusswort

Dieser Beitrag behandelt ausschließlich den E-Mail-Aspekt von E-Post. Andere Dienstleistungen, die über E-Post angeboten werden, beispielsweise das elektronische Postident-Verfahren oder die komplette Digitalisierung der Eingangspost sind überaus interessante Anwendungen, auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingehen möchte.

Paypal legte Crowd-Funding-Kampagne von ProtonMail die Fesseln an

ProtonMail ist ein Unternehmen, das sichere, verschlüsselte E-Mails als transparenten Dienst anbieten will.

Geld ist knapp, so setzt man auf Crowd-Funding als Finanzierungsquelle. Crowd-Funding ist so etwas wie ein virtueller Klingelbeutel, man setzt auf freiwillige Spenden. Als Gegenleistung bietet man, gestaffelt nach den gespendeten Beträgen, eine schnellere Einrichtung des Accounts, T-Shirts, Business-Accounts oder andere Dinge.

Diese Finanzierungsmethode hat den Vorteil, dass die Abhängigkeit von einzelnen Investoren erheblich reduziert wird und damit eine Unabhängigkeit hergestellt wird, die man sonst schwerlich erreichen kann.

ProtonMail hat es in nur 2 Wochen geschafft, mehr als 250.000 US$ über Kreditkarten, Bitcoins und Paypal einzunehmen.

Vorgestern hat Paypal den Account der ProtonMail-Crowd-Funding-Kampagne gesperrt, es wurden weder Ein- noch Auszahlungen zugelassen.

So groß die Aufregung bei den Machern und Geldgebern von ProtonMail auch war, so sehr habe ich durchaus auch Verständnis für Paypal. Man versetze sich in die Situation dieses Dienstleisters. Ein Konto einer jungen Firma wächst innerhalb weniger Tage um einen stattlichen Betrag an, nachdem vorher Monate lang Ruhe war. Die Steigerungsrate ist statistisch ungewöhnlich und es gibt einen reichen Erfahrungsschatz mit Kunden, die es mit der Ehrlichkeit weniger genau nehmen.

Ich finde es durchaus ehrenwert von Paypal, dass man in einem solchen Falle schon genau hinsieht, ob man nicht ungewollt zum Handlanger von Cyberkriminellen wird.

Das Konto wurde heute wieder freigeschaltet, es war also für ca. 3 Tage gesperrt. Das wird man irgendwann in der Geschichte der Firma ProtonMail erwähnen, aber mehr als eine Fußnote wird es dann kaum wert sein.

Google Location History – Reiseberichte leichtgemacht

Wissen Sie noch, was Sie im letzten Herbst gemacht haben, und wo Sie überall waren?

Ich wusste es auch nicht mehr. Google sei Dank konnte ich meine Erinnerung etwas auffrischen. Als moderner Mensch trage ich natürlich stets mindestens 2 elektronische Geräte bei mir. Eines davon ist mein Telefon bzw. Smartphone, das mit Android ausgestattet ist.

Mein Telefon pflegt regen Kontakt zu Google und tauscht so allerlei Daten aus. Obwohl ich mich für technikaffin halte, gebe ich zu, dass ich bei weitem schon lange nicht mehr jede Einstellung des Telefons erklären kann. Es sind einfach zu viele Funktionen.

Google Standortverlauf

Die neueste davon, die ich heute für mich ganz persönlich entdeckt habe, heißt „Google Standortverlauf“ oder in feinstem Englisch „Google Location History„.

Google Standortverlauf
Historischer Google Standortverlauf

Im Grunde ist das nur ein kurzer Ausflug nach Google-Maps. So scheint es auf den ersten Blick. Im rechten Bereich des Bildschirms findet sich eine Karte von Google, in der ein Weg eingezeichnet ist. Und zwar zufällig genau meine Wege des heutigen Tages.

Links neben der Karte findet sich ein Block mit Kalender und verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten.

Google Standortverlauf Kalenderauswahl
Google Standortverlauf Kalenderauswahl

Der hat es in sich. Beginnen Sie zunächst mit der Auswahl „30 Tage“. Dann wird Ihnen in der Karte in Maps Ihr Bewegungsprofil der letzten 30 Tage angezeigt. Aber wen interessiert das. Daran kann man sich ja noch gut erinnern.

Sie können im Kalender aber auch ein paar Monate zurückgehen und dann einmal 30 Tage ansehen. Das ist dann schon eher eine Zeitreise. Können Sie sich noch an Ihren Skiurlaub erinnern? Wo war nochmal die Hüttengaudi? Ein Blick in den Standortverlauf und sie haben es direkt wieder auf dem Bildschirm.

Löschen der Daten

Google bietet die Möglichkeit an, die Daten aus dem Profil zu löschen. Klicken Sie dazu einfach auf den Link „Gesamten Verlauf löschen“.

In Ihrem Google-Kontoverlauf https://www.google.com/settings/accounthistory können Sie unter „Von Ihnen besuchte Orte“ die weitere Aufzeichnung „pausieren“.

Eigene Nutzungsmöglichkeiten der Standortverlaufsdaten

Neben der doch etwas langweiligen Möglichkeit die Daten einfach zu löschen und die weitere Speicherung zu pausieren kann man das Ganze natürlich auch etwas offensiver angehen. Sie könnten Ihrer Frau einen monatlichen Ausdruck überreichen und damit ihre Treue untermauern.

Oder Sie können ihren persönlichen Reiseführer mit den Daten schreiben. Die Daten sind so exakt, dass Sie sich problemlos an die Stätten erinnern werden, über die Sie schreiben möchten.

Wenn das Finanzamt im nächsten Jahr Fahrtkosten aufgeschlüsselt haben möchte, können Sie für jeden Kalendertag einen eigenen Kartenausschnitt drucken und mit Ihrer Steuererklärung einreichen.

Sie sehen, manchmal eröffnen sich im Leben Möglichkeiten, von denen man vorher noch nicht einmal geträumt hatte.