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Google Location History – Reiseberichte leichtgemacht

Wissen Sie noch, was Sie im letzten Herbst gemacht haben, und wo Sie überall waren?

Ich wusste es auch nicht mehr. Google sei Dank konnte ich meine Erinnerung etwas auffrischen. Als moderner Mensch trage ich natürlich stets mindestens 2 elektronische Geräte bei mir. Eines davon ist mein Telefon bzw. Smartphone, das mit Android ausgestattet ist.

Mein Telefon pflegt regen Kontakt zu Google und tauscht so allerlei Daten aus. Obwohl ich mich für technikaffin halte, gebe ich zu, dass ich bei weitem schon lange nicht mehr jede Einstellung des Telefons erklären kann. Es sind einfach zu viele Funktionen.

Google Standortverlauf

Die neueste davon, die ich heute für mich ganz persönlich entdeckt habe, heißt „Google Standortverlauf“ oder in feinstem Englisch „Google Location History„.

Google Standortverlauf
Historischer Google Standortverlauf

Im Grunde ist das nur ein kurzer Ausflug nach Google-Maps. So scheint es auf den ersten Blick. Im rechten Bereich des Bildschirms findet sich eine Karte von Google, in der ein Weg eingezeichnet ist. Und zwar zufällig genau meine Wege des heutigen Tages.

Links neben der Karte findet sich ein Block mit Kalender und verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten.

Google Standortverlauf Kalenderauswahl
Google Standortverlauf Kalenderauswahl

Der hat es in sich. Beginnen Sie zunächst mit der Auswahl „30 Tage“. Dann wird Ihnen in der Karte in Maps Ihr Bewegungsprofil der letzten 30 Tage angezeigt. Aber wen interessiert das. Daran kann man sich ja noch gut erinnern.

Sie können im Kalender aber auch ein paar Monate zurückgehen und dann einmal 30 Tage ansehen. Das ist dann schon eher eine Zeitreise. Können Sie sich noch an Ihren Skiurlaub erinnern? Wo war nochmal die Hüttengaudi? Ein Blick in den Standortverlauf und sie haben es direkt wieder auf dem Bildschirm.

Löschen der Daten

Google bietet die Möglichkeit an, die Daten aus dem Profil zu löschen. Klicken Sie dazu einfach auf den Link „Gesamten Verlauf löschen“.

In Ihrem Google-Kontoverlauf https://www.google.com/settings/accounthistory können Sie unter „Von Ihnen besuchte Orte“ die weitere Aufzeichnung „pausieren“.

Eigene Nutzungsmöglichkeiten der Standortverlaufsdaten

Neben der doch etwas langweiligen Möglichkeit die Daten einfach zu löschen und die weitere Speicherung zu pausieren kann man das Ganze natürlich auch etwas offensiver angehen. Sie könnten Ihrer Frau einen monatlichen Ausdruck überreichen und damit ihre Treue untermauern.

Oder Sie können ihren persönlichen Reiseführer mit den Daten schreiben. Die Daten sind so exakt, dass Sie sich problemlos an die Stätten erinnern werden, über die Sie schreiben möchten.

Wenn das Finanzamt im nächsten Jahr Fahrtkosten aufgeschlüsselt haben möchte, können Sie für jeden Kalendertag einen eigenen Kartenausschnitt drucken und mit Ihrer Steuererklärung einreichen.

Sie sehen, manchmal eröffnen sich im Leben Möglichkeiten, von denen man vorher noch nicht einmal geträumt hatte.

Google Webprotokoll

Google weiß alles über Dich, wenn Du einen Google-Account hast und regelmäßig im Netz unterwegs bist.

Die Informationen über die Netzaktivitäten werden gesammelt, damit aus diesen Informationen eine möglichst zielgenaue Werbung platziert werden kann. Auf der anderen Seite greift auch Google Now auf diese Daten zurück und versucht, soweit es eben geht, interessensgerechte Vorschläge zu machen.

Das eine oder andere Mal habe ich schon verblüfft dagesessen und gedacht, „woher in drei Teufels Namen wissen die, dass ich mich für die Farbe der Schuhe der Nachbarn von Micky Maus interessiere“, wenn mir mal wieder eine Werbeanzeige über den Weg lief, die mich in der Tat auch geködert hat. Durchaus auch faszinierend.

Daten sammeln, das Verhalten der Kunden erforschen und versuchen, den Kunden etwas zu verkaufen, das machen im Grunde alle. Und das ist auch keine Erfindung des Netzes. Ein Hotel, das etwas auf sich hält, sammelt ebenso Informationen über die Vorlieben des Kunden. Je nach Feinheitsgrad ist dort möglicherweise durchaus bekannt, ob ich den Kaffee lieber schwarz oder mit Milch trinke, ob ich Allergiker bin und ob es spezielle Wünsche gibt, die ich in der Vergangenheit geäußert habe, die man bei einem Folgebesuch dann sozusagen von den Augen abzulesen scheint. Das funktioniert selbst dann, wenn seit dem letzten Besuch Jahre vergangen sind.

Ein guter Verkäufer wird stets versuchen, seinen Kunden in einer persönlichen Weise anzusprechen, wenn er weiß, dass der Kunde Fußballfan ist, werden die Bundesligaergebnisse vom letzten Wochenende sicher in ein Gespräch einfließen, Gratulation zum Geburtstag und so weiter. Wir kennen das im Grunde alle und ich finde das auch absolut in Ordnung, ist doch die Information, über die mein Autohändler verfügt, begrenzt.

Google wird von mir viel besser informiert. Selbst meine privatesten Gedanken münden doch oft genug in einer Suchmaschinenanfrage. „Mal sehen, was es im Netz dazu gibt“. Die Themen sind so breit gefächert wie das Leben selbst. Von Medikamenten bis zu Autos, von Buchtiteln bis zu Geschenken für meine Frau, politische Themen usw. Ein gar nicht so kleiner Teil des Spektrums meiner Gedankenwelt wird sich mehr oder weniger in Suchabfragen wiederfinden.

In der Google History kann man sein persönliches Webprotokoll einsehen. Stellen Sie die Herztropfen bereit, wenn Sie die Seite aufrufen. Nach dem Login werden Sie überrascht sein und Suchanfragen finden, die sie selbst schon lange wieder verdrängt hatten.

Das Erste, das Sie sehen, ist ihre persönliche Nutzungsstatistik. Unterhalb der Statistik geht es dann ans Eingemachte. Eine detaillierte Auflistung Ihrer Suchanfragen. Selbstverständlich mit Datum und Uhrzeit. Und das für mehrere Jahre.

Mag man über Google denken, was man will, es gibt etwas, was mir an dieser Statistik außerordentlich gut gefällt – ihre Existenz und ihre Transparenz für den protokollierten Benutzer. Wenn man sich einen Moment mit dem Inhalt befasst, wird einem so noch einmal deutlich vor Augen geführt, was Tracking eigentlich bedeutet. Es gibt unzählige weitere Anbieter, die solche Statistiken über Sie führen. Der feine Unterschied ist, dass Sie keine Ahnung haben, was dort alles über Sie bekannt ist geschweige denn, was alles mit den Daten passiert. Bei Amazon z.B. kann ich meine Bestellhistorie bis in die Details bis 1996 zurückverfolgen. Wen interessiert das eigentlich? Ändern kann ich daran meines Wissens nichts.

Google-Webprotokoll deaktivieren
Google-Webprotokoll deaktivieren

Sie können das Google-Webprotokoll bearbeiten und entweder einzelne Einträge löschen, oder auch die gesamte Historie löschen. Zusätzlich läßt Google Ihnen die Wahl, diese Protokollierung ganz zu deaktivieren. Klicken Sie einfach auf das „Zahnrad“ und verändern Sie in den „Einstellungen“ das Verhalten nach Ihren Vorstellungen.

Digitales Erbe in der realen Welt

Es ist manchmal gar nicht so einfach im Leben. Wer hätte das gedacht. Aber so richtig kompliziert kann es nach dem Tod werden. Neben der Trauer um einen – hoffentlich lieben – Menschen sind ganz profane Dinge zu regeln, wie Abmeldungen aus Vereinen, Kündigung von Versicherungen, Kontaktaufnahme mit Banken und vieles mehr.

Bisher war die Abwicklung solcher Formalitäten in einem einigermaßen geordneten Haushalt zwar eine Arbeit, die einen tagelang in einen Sherlock-Holmes-Zustand versetzen konnte, aber wenn die Aktenordner gesichtet waren, konnte man sich ein gutes Bild machen, welche Schritte notwendig werden.

Die beste Strategie an solche Daten zu kommen, ist das Verfolgen der Zahlungsströme.

Was nun, wenn der Nachlass nicht nur aus Old-School-Aktenbergen besteht, weil der liebe Mensch der beste Kunde von Billigversicherung24.com, Internetprovidern, Facebook, Onlinebank4711, Google und Microsoft oder Apple war. Als Anhänger einer einfachen Lebensweise hat er die meisten Dinge Online abgewickelt.

Nun wird der klassische Onlinekunde zwar nicht den allermeisten Papierkram zu Hause haben, aber eine EC-Karte oder eine Kreditkarte werden vermutlich vorhanden sein, so dass man zumindest die Hausbank recht schnell herausbekommen wird. Weitere Bankverbindungen sind meistens weit weniger offensichtlich. Tagesgeldzinsjäger wechseln die Banken manchmal häufiger als mancher Zeitgenosse seine Fenster putzt.

Es kann bereits schwierig sein, herauszufinden, dass er überhaupt Kunde bei Onlinebank4711 war, weil viele Onlinebanken mit sogenannten Postboxen arbeiten und Briefe, Korrespondenz und Abrechnungen auf diesem Wege zur Verfügung stellen. Das ist für den digitalaffinen Kunden und die Bank gleichermaßen praktisch. Die Verarbeitung und Ablage der Bankpost kann nämlich richtig in Arbeit ausarten. Schön, wenn die Dokumente in der Postbox zur Verfügung gestellt werden. Aber wehe, man trifft auf eine Postbox, wenn man den Nachlass ordnet. Die Onlinebank4711 wird nämlich an dem Tag, an dem sie vom Tod des Kontoinhabers erfährt, nicht nur das Konto sperren und das Finanzamt benachrichtigen, nein, auch die Postbox wird gesperrt.

Wenn Sie glauben, dass Sie jemals einen Blick in die Postbox werfen können, vergessen Sie das, wenn sie nicht Anwalt sind. Die Systeme gehören der Bank. Sie können allenfalls Kopien der Dokumente bekommen, die Sie einzeln benennen müssen. Das ist nicht so leicht, weil ja unser lieber Verblichener seine Ablage optimiert hat und die meisten Dokumente zwar zur Kenntnis genommen hat, aber gar nicht erst auf den eigenen PC heruntergeladen, geschweige denn ausgedruckt hat.

Ähnlich kann es mit Billigversicherung24 sein. Allerdings sind Versicherer meistens um mindestens eine Stufe kooperativer als Banken, denen das Bankgeheimnis immer dann ganz besonders wichtig ist, wenn es einem Anfrager gerade so gar nicht in den Kram passt. Das größte Problem wird vermutlich sein, herauszufinden bei welchen Versicherungen überhaupt Verträge existieren.

Sie bekommen vielleicht langsam eine Idee, dass die einfache Onlinewelt sich dann in ein überaus unpraktisches Ungetüm verwandelt, wenn der begeisterte Benutzer das zeitliche gesegnet hat und auch keine weiteren Tipps mehr geben kann.

Aus meiner Sicht recht einfach stellt sich die Angelegenheit mit sozialen Netzwerken dar, hier ist im Grunde keine Aktion notwendig. Facebook wird in 50 bis 80 Jahren je nach demografischer Entwicklung im Herkunftsland des Profils vermutlich von allein auf die Idee kommen, dass man das Profil wohl mal irgendwann löschen könnte.

Google ist da einen Schritt weiter, hier kann man eine automatische Löschung aller Daten einstellen, falls man nicht in einer bestimmten Zeit (z.B. 90 Tage) irgendeinen der Google-Dienste mit klarer Identifizierung nutzt. Selbst, wenn jemand das hypermoderne Smartphone des Verblichenen noch für eine Weile benutzt und der Google-Mail-Account somit noch für ein paar Monate abgefragt werden könnte, wird irgendwann der Tag kommen, an dem Schluss ist mit dem Online-Leben. Möglicherweise verlängert sich die Zeitspanne noch etwas weiter, wenn Geräte wie Google-TV im Spiele sind. Aber grundsätzlich halte ich den Google-Ansatz für vernünftig. Das erinnert ein wenig an den Ansatz der Deutschen Rentenversicherung abgeschaut, die von im Ausland lebenden Rentnern – aus gutem Grunde – jedes Jahr eine Lebensbescheinigung sehen möchte.

Es ist erst ein paar Tage her, dass der Europäische Gerichtshof sein Urteil zum „Recht auf digitales Vergessen“ gefällt hat, die Frage sollte allerdings erlaubt sein, ob man nicht irgendwann auch zu einem „Recht auf digitale Erinnerung“ kommen müsste und wie so etwas aussehen könnte.