EPost – einfach nur ein E-Mail-Dienst?

Sie kennen vielleicht den Dienst E-Post der Deutschen Post .

Die erste Assoziation, die ich hatte, war „E-Mail“. Ok, ganz nett, eine E-Mail-Adresse zu haben, die einfach „Hans.Mustermann@e-post.de“ lautet.

Der erste Haken

Diese Adresse kann überhaupt keine E-Mails empfangen.
Und sie kann keine E-Mails versenden.

Wer es nicht glaubt, kann sich hier selbst davon überzeugen.

Der zweite Haken

E-Post-Adressen übernehmen also nur das Aussehen von E-Mail-Adressen. Wehe dem, der die Adresse auf seiner Visitenkarte als einzige Adresse angibt. Die Testnachrichten, die ich gesendet habe, sind allesamt im Nirwana verschwunden. Es macht vermutlich zuviel Aufwand, die Nachrichten an den Absender zurückzusenden mit einem Hinweis, dass E-Post-Adressen nur innerhalb von E-Post erreichbar sind.

Der dritte Haken

E-Post ist ein geschlossenes System, d.h. ich muss zunächst einmal positiv wissen, dass mein Empfänger überhaupt eine Adresse hat. Andernfalls bin ich möglicherweise gezwungen auf die Old-Fashioned E-Mail zurückzukommen, die auf allen Geräten einfach nur funktioniert. E-Post funktioniert auch. Keine Frage.

Der vierte Haken

E-Post wird beworben als ein Dienst, der einen Postbrief ersetzen kann. Ich habe die Probe aufs Exempel gemacht.

Meine Wahl fiel auf die Postbank als Empfänger und mein Anliegen war in der Tat heikel, ich wollte mein Konto auflösen. Ich gebe zu, dass ist etwas, von dem ich weiß, dass es mit normaler E-Mail nicht lösbar ist, aber ein E-Postbrief müsste das ja schaffen.

Bevor ich mich dazu entschlossen habe, habe ich eine Pressemitteilung dazu gelesen.

Der erste Satz klang verheißungsvoll:

„Bonn, 16.09.2013, 11:00 MESZ

Ab sofort bietet die Postbank ihren rund 14 Millionen Kunden die Möglichkeit, den E-Postbrief als sicheren, elektronischen Kommunikationskanal zu ihrer Bank zu nutzen.“

Na also, da steht es doch. Also habe ich per E-Post ein Kündigungsschreiben verfasst und am 20.1.2014 an die Postbank geschickt. Oder sagen wir besser, ich wollte schicken.

Ein Versand war mangels Guthaben nicht möglich. Guthaben? Ja, Guthaben. So langsam dämmerte mir, dass da wohl noch ein Haken war. Die E-Post-Nachricht kostet 60 Cent. Im ersten Moment bekam ich fast schon Schnappatmung. Für denselben Preis hätte ich auch einen reitenden Boten der Post losschicken können. Also habe ich das Konto mit Guthaben befüllt und dann die E-Post für nur 60 Cent an die Postbank losgeschickt.

Der fünfte Haken

Die Postbank hat auch wirklich schnell reagiert und mir am nächsten Morgen dann die folgende E-Post-Antwort geschickt:

AW: Kündigung Girokonto ID[|#08154711|]

21.01.2014

Sehr geehrter Herr „Mustermann“,

vielen Dank für Ihren E-Postbrief. Sie möchten Aufträge per E-Postbrief an die Postbank senden. Eine Erteilung Ihrer Aufträge ist über E-Postbrief leider nicht möglich. Aktuell kann die Postbank über diesen Weg nur allgemeine Fragen entgegennehmen und beantworten. Eine erweiterte Kommunikation per E-Postbrief können wir Ihnen zur Zeit noch nicht anbieten. Jedoch werden wir diese Möglichkeiten nach und nach ausbauen.

Sie möchten Ihr Postbank Girokonto auflösen. Bitte senden Sie das beigefügte Formular mit Unterschrift per Brief an: Postbank Hamburg – 22283 Hamburg

Für eine Vertragsauflösung benötigen wir grundsätzlich einen unterschriebenen Originalauftrag, pdf-Anhänge oder andere Dateiformate werden nicht akzeptiert.

[….]

Mit freundlichen Grüßen

Frau Mustermann
Postbank E-Mail-Service

Keine Frage, das war jetzt nicht wirklich überraschend, aber diese Antwort hätte ich auch billiger haben können, wenn ich einfach nur eine klassische E-Mail anstatt einer E-Post gesendet hätte.

Nur, um das noch einmal festzustellen: Ich kreide der Postbank bestimmt nicht negativ an, dass sie für eine Kontoauflösung echtes Papier mit einer Originalunterschrift sehen möchte. Das ist ok.

Aber über E-Post nur Werbeprospekte und Formularanfragen abzuarbeiten ist natürlich auch nicht zufriedenstellend aus der Perspektive des „teuer bezahlenden“ Privatkunden. Hier wäre es wohl ehrlicher, E-Post nicht anzubieten oder klarer zu kommunizieren, dass die Adresse nur für allgemeine Anfragen geeignet ist.

Mein ganz persönliches Fazit

Als E-Mail-Dienst kann man den E-Post-Dienst getrost ignorieren. E-Mails kann man damit schließlich weder senden noch empfangen. Nur E-Post. Und da muss man

1. die möglichen Empfänger mit der Lupe suchen
2. davon ausgehen, dass der Empfänger E-Post nicht gleichrangig zur Schriftform behandelt
3. teuer bezahlen

Ein Telefax wird in den meisten Fällen problemlos für schriftformgebundene Willenserklärungen akzeptiert. Das ist mit Scanner / Router / Software fast immer deutlich billiger als Briefporto oder E-Post-Porto, mit einer Telefonflat sogar ohne Zusatzkosten.

Schlusswort

Dieser Beitrag behandelt ausschließlich den E-Mail-Aspekt von E-Post. Andere Dienstleistungen, die über E-Post angeboten werden, beispielsweise das elektronische Postident-Verfahren oder die komplette Digitalisierung der Eingangspost sind überaus interessante Anwendungen, auf die ich zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingehen möchte.

Kennen Sie Edward?

Edward ist der GnuPG-Bot der Free Software Foundation. Edward ist kein wirklich spannender Gesprächspartner, aber er kann Ihnen Nachrichten zusenden, die mit OpenPGP verschlüsselt sind.

Sie können auf diese Weise zum einen testen, ob Ihre Software-Installation funktioniert und können den Umgang mit dem Programm üben.

Sie erreichen Edward unter der E-Mail-Adresse „edward-de@fsf.org“. Bevor Edward Vertrauen schöpft, müssen Sie sich vorstellen. Senden Sie Ihren öffentlichen Schlüssel per E-Mail an Edward. Mit Thunderbird/Enigmail geht das recht einfach, wenn Sie den Dialog OpenPGP|Schlüssel verwalten aufrufen und dann im Kontextmenü „Öffentlichen Schlüssel per E-Mail senden“ auswählen.

OpenPGP - Öffentlichen Schlüssel per E-Mail versenden
OpenPGP – Öffentlichen Schlüssel per E-Mail versenden

Thunderbird öffnet dann eine E-Mail, die Ihren öffentlichen Schlüssel als Anhang enthält.

Geben Sie edward-de@fsf.org als Empfänger ein und achten Sie darauf, dass im Betreff und im Nachrichtentext mindestens ein Wort enthalten ist. Ansonsten kann es passieren, dass die Nachricht als Spam behandelt wird und nicht verarbeitet wird. Wenn Sie auf „Senden“ klicken, fragt OpenPGP nach, ob Sie die E-Mail samt Anhang verschlüsseln oder unterschreiben möchten. Dies kann etwas verwirrend sein. Unterschreiben Sie die E-Mail samt Anhang, denn Sie wollen ja sicherstellen, dass der Öffentliche Schlüssel unverändert bleibt.

Open PGP "Senden"-Dialog
Open PGP „Senden“-Dialog

Nach ein paar Minuten wird Ihnen Edward eine Bestätigungsmail senden, dass er Ihren öffentlichen Schlüssel erhalten hat. Die Bestätigungsmail verschlüsselt Edward mit ihrem öffentlichen Schlüssel, es ist damit nicht mehr auf einfache Weise möglich, diese Nachricht zu lesen.

Nachdem Sie sich jetzt mit Edward bekannt gemacht haben, können Sie in eine intime Konversation mit dem Bot einsteigen. Dazu verfassen Sie eine Nachricht an edward-de@fsf.org.

openpgp_schluessel
Text wird verschlüsselt bei gelbem Schlüssel und unterschrieben bei gelbem Stift
Geben Sie einen Betreff ein und einen Nachrichtentext. Klicken Sie dann auf das Schlüsselsymbol in der Statusleiste unten rechts. Wenn das Schlüsselsymbol gelb wird, ist die Verschlüsselung aktiv. Sie können jetzt Ihre Nachricht in schönster Poesie für Edward verfassen und die Nachricht versenden. Wenn Sie die Nachricht senden, wird nur der Text der Nachricht und ggf. die Anhänge verschlüsselt. Der Betreff wird NICHT verschlüsselt. Es empfiehlt sich, das bei der Formulierung der Betreffzeilen im Hinterkopf zu behalten.

Wenn Sie die Nachricht an Edward versenden, dann wird OpenPGP feststellen, dass Sie sich zwar Edward vorgestellt haben, Edward selbst aber doch ein wenig nachlässiger war. Für die Empfängeradresse liegt kein öffentlicher Schlüssel vor.

OpenPGP - Unbekannter Empfänger
OpenPGP – Unbekannter Empfänger

Sie können Edward einfach finden, wenn Sie auf einem PGP Schlüsselserver nach ihm suchen. Edward ist ein Sprachgenie und spricht mehr Sprachen als man ihm zutrauen würde:

openpgp_edward_key

Nach dem Import des Schlüssels in ihr lokales Schlüsselverzeichnis können Sie die E-Mail an Edward absenden.

Ich möchte allerdings an dieser Stelle nicht verschweigen, dass Edwards Sinn für Poesie scheinbar auf dem Niveau eines Bots geblieben ist. Nicht nur, dass er mir auf meine mit Herzblut formulierten Briefe nicht stilvoll antwortet. Nein. Er ignoriert mich vollkommen.

Dieser Beitrag erwähnt und beschreibt Edward. Eine vollständige Beschreibung des gesamten Setups erhalten Sie bei den „Eltern“ von Edward: https://emailselfdefense.fsf.org/de

Kein Anspruch auf Auskunft über Anmeldedaten gegen den Betreiber eines Internetportals

Der für das Recht der unerlaubten Handlung zuständige VI. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hatte darüber zu befinden, ob der in seinem Persönlichkeitsrecht Verletzte von dem Betreiber eines Internetportals Auskunft über die bei ihm hinterlegten Anmeldedaten des Verletzers beanspruchen kann.

Der Kläger, ein frei praktizierender Arzt, machte einen Auskunftsanspruch gegen die Beklagte geltend. Diese ist Betreiberin eines Internetportals, das Bewertungen von Ärzten ermöglicht.

Im November 2011 entdeckte der Kläger auf der Internetseite der Beklagten eine Bewertung, in der über ihn verschiedene unwahre Behauptungen aufgestellt wurden. Im Juni 2012 wurden weitere, den Kläger betreffende Bewertungen mit unwahren Tatsachenbehauptungen veröffentlicht. Auf sein Verlangen hin wurden die Bewertungen jeweils von der Beklagten gelöscht. Am 4. Juli 2012 erschien (jedenfalls) bis November 2012 erneut eine Bewertung mit den von dem Kläger bereits beanstandeten Inhalten.

Das Landgericht hat die Beklagte zur Unterlassung der Verbreitung der vom Kläger beanstandeten Behauptungen und zur Auskunft über Name und Anschrift des Verfassers der Bewertung vom 4. Juli 2012 verurteilt. Die dagegen gerichtete Berufung der Beklagten hatte keinen Erfolg. Das Oberlandesgericht hat einen Auskunftsanspruch des Klägers gegen die Beklagte wegen der bei ihr hinterlegten Anmeldedaten des Verletzers gemäß §§ 242, 259, 260 BGB bejaht. § 13 Abs. 6 Satz 1 TMG*, wonach ein Diensteanbieter die Nutzung von Telemedien anonym oder unter Pseudonym zu ermöglichen hat, soweit dies technisch möglich und zumutbar ist, schließe den allgemeinen Auskunftsanspruch nicht aus.

Mit der vom Oberlandesgericht beschränkt auf den Auskunftsanspruch zugelassenen Revision verfolgte die Beklagte ihren Antrag auf Abweisung der Klage – im Umfang der Zulassung – weiter.

Die Revision hatte Erfolg. Der Bundesgerichtshof hat die Klage auf Auskunftserteilung abgewiesen.

Der Betreiber eines Internetportals ist in Ermangelung einer gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage im Sinne des § 12 Abs. 2 TMG grundsätzlich nicht befugt, ohne Einwilligung des Nutzers dessen personenbezogene Daten zur Erfüllung eines Auskunftsanspruchs wegen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung an den Betroffenen zu übermitteln.
Nach dem Gebot der engen Zweckbindung des § 12 Abs. 2 TMG dürfen für die Bereitstellung von Telemedien erhobene personenbezogene Daten für andere Zwecke nur verwendet werden, soweit eine Rechtsvorschrift dies erlaubt oder der Nutzer – was hier nicht in Rede stand – eingewilligt hat. Ein Verwenden im Sinne des § 12 Abs. 2 TMG stellt auch eine Übermittlung an Dritte dar. Eine Erlaubnis durch Rechtsvorschrift kommt außerhalb des Telemediengesetzes nach dem Gesetzeswortlaut lediglich dann in Betracht, wenn sich eine solche Vorschrift ausdrücklich auf Telemedien bezieht. Eine solche Vorschrift hat der Gesetzgeber bisher – bewusst – nicht geschaffen.

Dem durch persönlichkeitsrechtsverletzende Inhalte einer Internetseite Betroffenen kann allerdings ein Unterlassungsanspruch gegen den Diensteanbieter zustehen (vgl. Senatsurteil vom 25. Oktober 2011 – VI ZR 93/10, BGHZ 191, 219), den das Oberlandesgericht im Streitfall auch bejaht hat. Darüber hinaus darf der Diensteanbieter nach § 14 Abs. 2, § 15 Abs. 5 Satz 4 Telemediengesetz (TMG) auf Anordnung der zuständigen Stellen im Einzelfall Auskunft über Bestands-, Nutzungs- und Abrechnungsdaten erteilen, soweit dies u. a. für Zwecke der Strafverfolgung erforderlich ist.
Bundesgerichtshof -Urteil vom 1. Juli 2014 – VI ZR 345/13
LG Stuttgart – Urteil vom 11. Januar 2013 – 11 O 172/12
OLG Stuttgart – Urteil vom 26. Juni 2013 – 4 U 28/13

Quelle: Pressemitteilung des Bundesgerichtshofs vom 1.7.2014

OpenPGP – sichere E-Mail-Kommunikation ist viel einfacher als man meint

PGP ist die Abkürzung von Pretty Good Privacy, einem Verschlüsselungsprogramm, das von Philip R. Zimmermann Anfang der 90er-Jahre des letzten Jahrtausends entwickelt wurde. PGP unterstützt eine asymmetrische Verschlüsselung bestehend aus einem öffentlichen Schlüssel und einem privaten Schlüssel. Ein Adressat verfügt stets über beide Schlüssel.

Die Verschlüsselung einer Nachricht erfolgt mit dem öffentlichen Schlüssel. Dieser Schlüssel ist nicht geheim und kann von jedem benutzt werden, der eine Nachricht an den Adressaten verschlüsseln möchte. Diese Nachricht kann mit dem öffentlichen Schlüssel nicht mehr entschlüsselt werden. Man benötigt zwingend den zum öffentlichen Schlüssel passenden privaten Schlüssel. Da beide Schlüssel auf eine bestimmte Weise mathematisch verbunden sind, hört man oft auch den Begriff „Schlüsselpaar“.

Mit PGP als Software konnte man solche Schlüsselpaare erzeugen und Nachrichten ver- und entschlüsseln. Die Handhabung der Software war orientiert an einer Kommandosprache. Eine grafische Benutzerschnittstelle existierte nicht. Das machte den Umgang mit PGP zu einem Unterfangen, das eine gewisse Expertise im Umgang mit Computern vorraussetzte. Ich habe seinerzeit PGP benutzt, aber es war mehr ein Ausprobieren, als eine ernsthafte Nutzung. Es gab noch ein weiteres Problem. Der Empfänger einer solchen Nachricht musste ebenfalls in der Lage sein, das Programm zu benutzen. Der Kreis der Personen, die das leisten konnten, war relativ klein und ich wollte niemandem davon schreiben.

Hier beginnen sich die Zeiten zu ändern. Wurden früher die Experten als Spinner abgetan, die davor warnten, dass E-Mails mitgelesen werden konnten, hat sich die Sichtweise bei vielen Menschen gewandelt, seit klar ist, dass es nicht nur technisch machbar ist, sondern dass es von vielen Staaten systematisch in einem Ausmaß betrieben wird, das sich nur die wenigsten vorstellen wollten.

Man möge sich bitte nichts vormachen, die Verschlüsselung einer E-Mail bedeutet nicht, dass niemand die E-Mail lesen kann. Selbstverständlich muss man davon ausgehen, dass der Inhalt auf irgendeine Weise bekannt werden kann. Aber es ist schon ein Unterschied, ob ich einem Kurier eine Postkarte mit dem Vermerk „streng vertraulich“ mitgebe, oder ob es ein dicker, lichtdichter Umschlag ist, der fest verschlossen und versiegelt ist. Einen Siegelbruch zu kaschieren ist schon erheblich aufwändiger als einfach nur eine Postkarte abzuschreiben.

OpenPGP ist kein Programm, sondern ein Datenformat bzw. Protokoll, das im RFC 4880 beschrieben ist. Das soll Softwareentwickler in die Lage versetzen, Programme zu entwickeln, die untereinander Daten austauschen können und sich verstehen.

GnuPG (GNU Privacy Guard) ist eine Software, die dem OpenPGP-Standard folgt.

GnuPG ist wie der Urahn PGP ein kommandozeilenorientiertes Werkzeug, das für sich genommen wohl nur Menschen mit ausgeprägten Nerd-Genen erfreuen wird. Es ist zu kompliziert für die alltägliche Verwendung.

Aber HALT. GnuPG ist der Kern einer hervorragenden Lösung zur E-Mail-Verschlüsselung. Schließlich hat niemand behauptet, dass die Kommandozeilenbefehle von einem Menschen eingegeben werden müssen. Das kann auch eine Software übernehmen.

Eine solche Software ist das Thunderbird-Add-On Enigmail.

Sie müssen nur eine geeignete Version von GnuPG für Ihr Betriebssystem installieren und für Thunderbird Enigmail installieren und dann haben Sie ein E-Mail-Programm, das mit Verschlüsselung umgeht, als gäbe es nichts anderes.

Die Free Software Foundation hat in der letzten Woche eine Anleitung  in deutscher Sprache herausgebracht, die man kaum besser schreiben kann.

Bild: Free Software Foundation Inc., #EMailSelfDefense
Bild: Free Software Foundation Inc., #EMailSelfDefense

Unter #EMailSelfDefense wird Schritt für Schritt beschrieben, wie man OpenPGP installiert, die Schlüssel erzeugt und testet. Der Text ist geschrieben wie die Bedienungsanleitung zu Ihrer Waschmaschine. Verständlich und einfach gehalten, trotz der komplexen Materie.

 

Paypal legte Crowd-Funding-Kampagne von ProtonMail die Fesseln an

ProtonMail ist ein Unternehmen, das sichere, verschlüsselte E-Mails als transparenten Dienst anbieten will.

Geld ist knapp, so setzt man auf Crowd-Funding als Finanzierungsquelle. Crowd-Funding ist so etwas wie ein virtueller Klingelbeutel, man setzt auf freiwillige Spenden. Als Gegenleistung bietet man, gestaffelt nach den gespendeten Beträgen, eine schnellere Einrichtung des Accounts, T-Shirts, Business-Accounts oder andere Dinge.

Diese Finanzierungsmethode hat den Vorteil, dass die Abhängigkeit von einzelnen Investoren erheblich reduziert wird und damit eine Unabhängigkeit hergestellt wird, die man sonst schwerlich erreichen kann.

ProtonMail hat es in nur 2 Wochen geschafft, mehr als 250.000 US$ über Kreditkarten, Bitcoins und Paypal einzunehmen.

Vorgestern hat Paypal den Account der ProtonMail-Crowd-Funding-Kampagne gesperrt, es wurden weder Ein- noch Auszahlungen zugelassen.

So groß die Aufregung bei den Machern und Geldgebern von ProtonMail auch war, so sehr habe ich durchaus auch Verständnis für Paypal. Man versetze sich in die Situation dieses Dienstleisters. Ein Konto einer jungen Firma wächst innerhalb weniger Tage um einen stattlichen Betrag an, nachdem vorher Monate lang Ruhe war. Die Steigerungsrate ist statistisch ungewöhnlich und es gibt einen reichen Erfahrungsschatz mit Kunden, die es mit der Ehrlichkeit weniger genau nehmen.

Ich finde es durchaus ehrenwert von Paypal, dass man in einem solchen Falle schon genau hinsieht, ob man nicht ungewollt zum Handlanger von Cyberkriminellen wird.

Das Konto wurde heute wieder freigeschaltet, es war also für ca. 3 Tage gesperrt. Das wird man irgendwann in der Geschichte der Firma ProtonMail erwähnen, aber mehr als eine Fußnote wird es dann kaum wert sein.